Ein Eklat in Davos und die unberechenbare US-Politik sorgen für Nervosität – was die Zinsen paradoxerweise stabil halten könnte.
Eine neue Studie beziffert den Wohnungsmangel auf 1,4 Millionen Einheiten: Warten auf Neubau wird zur Geduldsprobe.
Trotz gestiegener Kreditsummen raten Profis zur „Vollkasko-Mentalität“ mit langen Zinsbindungen. Passend dazu sind fünfzehnjährige Kredite im vergangenen Monat günstiger geworden.

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Hast du schon einmal erlebt, dass bei einer langweiligen Familienfeier plötzlich der Onkel aus Amerika aufsteht, alle beleidigt und die Großtante empört den Raum verlässt? Genau das ist gerade auf der großen Weltbühne passiert.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sorgte Howard Lutnick, der US-Handelsminister der Regierung Trump, für den Aufreger des Tages. Statt diplomatischer Floskeln hielt er vor dem Publikum eine Lobrede auf Kohle als Energiequelle der Zukunft und teilte kräftig gegen Europa aus. Das Ergebnis: Buhrufe beim Dinner – und ein Abgang mit Symbolkraft. Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), stand kurzerhand auf und verließ den Saal, während Lutnick noch motzte.
Lagarde beließ es aber nicht bei diesem stummen Protest. In einem TV‑Interview fand sie deutliche Worte zur Lage: „Uncertainty is back“ – die Unsicherheit ist zurück. Ausgerechnet jetzt, wo sich Inflation und Zinsen bei jeweils rund zwei Prozent eingependelt hatten (und das ist gut, denn das ist der Wert, den die EZB langfristig anstrebt), käme dieser politische Störfaktor zur Unzeit. Sie sieht in der aggressiven US‑Haltung einen Weckruf für Europa, endlich wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen.
Für unser Thema bedeutet das: Wenn sich die großen Wirtschaftsmächte streiten und die Unsicherheit wächst, suchen Anlegende oft sichere Häfen. Das kann die Renditen von Staatsanleihen drücken und damit indirekt auch die Bauzinsen stabil halten oder sogar leicht senken, selbst wenn die Stimmung eigentlich explosiv ist.
Kommen wir von der großen Politik zurück auf den Boden der Tatsachen in Frankfurt. Christine Lagarde hat ihr Zeichen nicht nur in Davos gesetzt, sondern bereits vor einigen Wochen in der Geldpolitik. Die letzte Leitzinsentscheidung der EZB fiel am 18. Dezember 2025. Damals beschlossen die Währungshütenden, den Leitzins vorerst unverändert zu lassen. Der für Sparende und Kredite entscheidende Einlagenzins verharrt seitdem stabil bei 2,00 Prozent.
Spannend ist aber, was gerade im Markt für Baufinanzierungen passiert: Fachleute beobachten sogenannte „Schaufenster‑Konditionen“: Einige Banken senken zu Jahresbeginn bewusst ihre Margen – also ihren eigenen Gewinnanteil am Zins –, um in Vergleichsportalen ganz oben zu stehen. Sie stellen besonders attraktive Preise ins „Schaufenster“, um Neukunden anzulocken und ihre Jahresziele früh anzuschieben. Namhafte Institute haben ihre Konditionen im Januar teils gesenkt. Aber Vorsicht: Das ist oft keine langfristige Marktrendite, sondern eine Marketingmaßnahme. Der übergeordnete Trend zeigt eher eine Seitwärtsbewegung. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Bauzinsen vorerst auf dem aktuellen Niveau einpendeln. Nutze diese „künstliche“ Delle also ruhig aus, wenn du gerade finanzieren willst, denn sie muss nicht von Dauer sein.
Das ImmoScout24-Zinschart zeigt dir interaktiv den aktuellen Stand der Sollzinsen an. Damit siehst du auf einen Blick, zu welchem Zinssatz du aktuell durchschnittlich finanzieren könntest, aufgeteilt nach Zinsbindungsfristen. Außerdem zeigen wir dir die Zinsentwicklung des letzten Jahres im Überblick. Einfach mit der Maus über die Graphen fahren oder mit dem Finger antippen, schon siehst du den jeweiligen Zinssatz!
Um zu verstehen, warum die EZB relativ ruhig schlafen kann, lohnt sich ein Blick in den Rückspiegel – wenn auch nur für Deutschland. Das Statistische Bundesamt hat die Bilanz für 2025 gezogen, und die kann sich eigentlich sehen lassen: Im Jahresdurchschnitt lag die Inflationsrate bei 2,2 Prozent. Das ist exakt der gleiche Wert wie 2024. Was daran so besonders ist? Der Vergleich zu den „Horrorjahren“ davor. Erinnerst du dich an 2022 mit 6,9 Prozent oder 2023 mit 5,9 Prozent? Dagegen fühlt sich die aktuelle Lage fast wie Windstille an. Ruth Brand, die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, spricht daher zu Recht von einer Stabilisierung der Entwicklung.
Aber wo genau ist das Geld geblieben? Wer das Gefühl hat, dass Schule, Ausbildung oder Kurse teurer wurden, täuscht sich nicht: Das Bildungswesen legte mit +5,1 Prozent überdurchschnittlich zu. Auch Restaurantbesuche und Hotelübernachtungen stiegen mit +3,6 Prozent stärker. Wer dagegen – ganz oldschool – Briefe schrieb, kam günstiger weg: Bei Post und Telekommunikation blieben die Preise stabil. Für Immobilienkaufsuchende ist diese Gesamtberuhigung praktisch, denn sie nimmt Druck von den Zinsen und macht Kalkulationen verlässlicher.
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Während wir bei den Zinsen also halbwegs entspannt durchatmen können, schrillen auf dem Wohnungsmarkt die Alarmglocken. Die neueste Studie des Pestel‑Instituts liefert eine Zahl, die man erst einmal verdauen muss: In Deutschland fehlen aktuell 1,4 Millionen Wohnungen. Matthias Günther, Chefökonom des Instituts, spricht von einem Rekordstand. Besonders bitter: Es fehlt fast ausschließlich im bezahlbaren Segment. Das Bündnis „Soziales Wohnen“ warnt vor einem heraufziehenden „Sozial‑Drama“, da junge Menschen beim Einstieg ins Berufsleben und Senioren gleichermaßen ausgebremst werden. Ein massives Problem ist der sogenannte Lock‑in‑Effekt: Ältere Menschen bleiben oft allein in großen Familienwohnungen, weil eine kleinere Neubauwohnung paradoxerweise teurer wäre. Das blockiert den Markt für Familien.
Die Hoffnung, dass der Neubau das Problem schnell löst, muss leider auch gedämpft werden. Zwar stabilisieren sich die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe langsam wieder (es gab ein Plus von rund 12 Prozent im November), aber wir kommen von einem extrem niedrigen Niveau. Für 2025 wird sogar ein neuer Minusrekord bei den Fertigstellungen erwartet – Fachleute rechnen nur noch mit rund 235.000 neuen Einheiten. Um den Mangel abzubauen, bräuchten wir jedoch gut 400.000 pro Jahr. Fazit: Wer jetzt eine Bestandsimmobilie findet, die passt, sollte nicht auf das „perfekte Neubauprojekt“ in drei Jahren spekulieren. Wohnraum bleibt knapp.
Dass Wohnraum knapp ist, merkt man auch an den Preisen. Nach einer Phase der Korrektur ziehen die Immobilienpreise vielerorts wieder an. Das spiegelt sich direkt in den Finanzierungsdaten wider: Die durchschnittliche Darlehenssumme stieg zuletzt auf über 282.000 Euro – ein Mehrjahreshoch. Michael Neumann von Dr. Klein beobachtet, dass Kaufende bereit sind, höhere Fremdkapitalquoten in Kauf zu nehmen, um ihr Wunschobjekt zu sichern.
Aber wie finanziert man in unruhigen Zeiten? Thomas Hügler von der Münchener Hypothekenbank hat eine klare Meinung: Sicherheit geht vor Spekulation. „Viele Interessenten haben in der Hoffnung auf fallende Immobilienpreise und Finanzierungskosten zunächst abgewartet, sehen jetzt aber, dass die aktuellen Bedingungen das neue Marktniveau darstellen“, so der Experte. Sein Rat: Lange Zinsbindungen wählen. Wer sich die Rate heute leisten kann, sollte sie sich für 15 oder 20 Jahre sichern. Das ist wie eine Vollkasko‑Versicherung gegen die Launen der Weltpolitik. In dem Zusammenhang lohnt auch ein Blick auf unser Zinsbarometer: Auch wenn die 20-jährige Zinsbindung im vergangenen Monat tendenziell teurer wurde, gibt es einen Lichtblick: Die Zinsen für die fünfzehnjährige Zinsbindung sind tatsächlich gesunken.
Wenn du eine Immobilie gefunden hast, die zu deinem Leben passt: Schlag zu. Spekuliere nicht darauf, dass die Zinsen wieder auf ein bis zwei Prozent fallen – das wird bei der aktuellen Weltlage so schnell nicht passieren. Sichere dir lieber jetzt langfristig stabile Konditionen. Dein eigenes Zuhause ist schließlich die beste Antwort auf die Rückkehr der Unsicherheit.
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Das aktuelle Zinsbarometer ist der beste Beweis für die Hartnäckigkeit der Volatilität am Markt. Eine klare Richtung? Fehlanzeige. Stattdessen erleben wir ein Wechselbad der Gefühle: Während sich Kredite mit kürzeren und mittleren Laufzeiten verteuern, entspannt sich die Lage bei langen Zinsbindungen leicht – auch wenn die Marke von vier Prozent hartnäckig bleibt. Ist sie gekommen, um zu bleiben?
Für Darlehen mit fünf Jahren Zinsbindung muss man wieder etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Zinssatz kletterte um 0,4 Prozentpunkte auf 3,72 Prozent (Vormonat: 3,68 Prozent). Auch der Klassiker, die zehnjährige Zinsbindung, zieht leicht an und liegt nun bei 3,79 Prozent (Vormonat: 3,74 Prozent). Die Banken preisen hier offenbar die leicht gestiegenen Renditen bei den Bundesanleihen ein.
Überraschend ist die Entwicklung bei der 15-jährigen Laufzeit: Hier geht es entgegen dem Trend leicht nach unten auf 4,05 Prozent (Vormonat: 4,12 Prozent). Wer maximale Sicherheit sucht, kommt also minimal günstiger weg als noch vor einem Monat, zahlt aber weiterhin einen Sicherheitsaufschlag. Bei den 20-Jahres-Krediten steigt das Niveau auf 4,17 Prozent (Vormonat: 4,15 Prozent) und bleibt damit weitgehend konstant hoch.
Alles, was du zum Thema Zinsen wissen musst: Wir unterstützen dich mit informativen Beiträgen, cleveren Rechnern und Podcasts zum aktuellen Zinsgeschehen. Das wird dir helfen, gute Entscheidungen zu treffen.
Geldpolitik: Darunter versteht man alle Maßnahmen eines Staates, die Geldversorgung und Kreditangebote der Banken zu regulieren, um wirtschaftspolitische Zwecke zu erfüllen. Dahinter steht das Ziel, den Wert des Geldes einer Volkswirtschaft stabil zu halten.
Kerninflation: Ein volkswirtschaftliches Konzept, das bestimmte Güter aus der Berechnung der Inflationsrate ausklammert. Dabei handelt es sich meist um die Preisschwankungen für Lebensmittel und Produkte aus dem Energiesektor, die saisonal schwanken, aber deren Preisänderungen nicht auf die Volkswirtschaft selbst zurückzuführen sind.
Leitzinsen: Diese von der Zentralbank eines Landes festgelegten Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei der Noten- bzw. Zentralbank Geld leihen können. Sie sind ein wichtiges Steuerungsmittel der Geldpolitik.
Rezession: Eine Phase im Konjunkturzyklus (daneben gibt es noch Aufschwung, Boom und Depression). Man spricht üblicherweise von einer Rezession, wenn sich die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen abschwächt oder zumindest gleichbleibt.
Ratingagenturen: Dies sind Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit anderer Unternehmen und Staaten bewerten. Ist die Wahrscheinlichkeit von Kreditrückzahlungen hoch, erhalten die betreffenden Unternehmen/Staaten ein gutes Rating. Das höchste wird als „Triple A“, also AAA bezeichnet. Zu den bekanntesten Ratingagenturen gehören „Standard & Poor's“, „Moody's“ und „Fitch“.
Seitwärtsbewegung: Von Seitwärtsbewegungen spricht man, wenn sich der Kurs oder die Zinsen weder nach oben noch nach unten bewegen, sondern sich gleichmäßig entwickeln.
Volatilität: Wenn etwas als volatil bezeichnet wird, bedeutet dies, dass es einer hohen Unsicherheit, Instabilität oder Schwankung unterliegt. In Bezug auf Finanzmärkte kann Volatilität auf schnelle und große Preisschwankungen von Aktien, Währungen, Rohstoffen oder auch Zinsen hinweisen.
*Hinweis: Bei den Zinsen handelt es sich um Durchschnittswerte der bei ImmoScout24 gelisteten Baufinanzierer zum angegebenen Stichtag. Für die Kalkulation wurden folgende Modelldaten verwendet: Angestellte:r, Darlehenssumme: 200.000 Euro, Beleihungsauslauf: 80 Prozent, Tilgungsrate: 3 Prozent.
Die hier enthaltenen Informationen sind unverbindliche Auskünfte (Irrtum vorbehalten).
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